Website für Praxen:
Termine, Erreichbarkeit, Grenzen
Eine Praxisseite hat eine Hauptaufgabe: das Telefon entlasten. Öffnungszeiten, Terminvergabe, Anfahrt, Unterlagen zum Mitbringen und Urlaubsvertretung - alles, was sonst zwanzig Mal am Tag erklärt wird, gehört so auf die Seite, dass es in zehn Sekunden zu finden ist. Alles andere ist zweitrangig.
Zurück zur Übersicht- Die häufigsten Anrufe sind die brauchbarste Gliederung für die Startseite.
- Öffnungszeiten gehören auf die Seite und ins Google-Profil - und beide müssen übereinstimmen.
- Online-Terminvergabe entlastet nur, wenn sie die Sprechstundenstruktur abbildet.
- Werbung im Gesundheitsbereich unterliegt engeren Regeln als in anderen Branchen.
- Patientenbewertungen sind nicht dasselbe wie Kundenbewertungen - Vorsicht bei Zitaten.
Woran erkenne ich, was auf die Startseite gehört?
An den Anrufen. Führ eine Woche lang eine Strichliste, welche Frage wie oft kommt. Diese Liste ist die Gliederung deiner Startseite, in genau dieser Häufigkeit. Wie du daraus Text machst, ohne zu formulieren, steht in Texte für die eigene Website.
In den meisten Praxen sieht sie ähnlich aus:
| Häufigste Frage am Telefon | Gehört auf die Seite als |
|---|---|
| Habt ihr heute offen? | Öffnungszeiten, oben, mit Feiertagen |
| Wie komme ich an einen Termin? | Terminweg mit Grenzen, eigener Bereich |
| Nehmt ihr neue Patienten? | Ein Satz, sichtbar ohne Scrollen |
| Wo kann ich parken? | Anfahrt mit Parksituation |
| Was muss ich mitbringen? | Kurze Liste je Terminart |
| Wer vertritt im Urlaub? | Vertretung mit Zeitraum |
Das ist unspektakulär und wirkt sofort. Eine Praxisseite, die mit einem Text über den ganzheitlichen Ansatz beginnt und die Öffnungszeiten im Fußbereich versteckt, erzeugt genau die Anrufe, die sie hätte verhindern können.
Wie richte ich die Terminvergabe ein?
Nach der Struktur deiner Sprechstunde, nicht nach der Logik des Buchungswerkzeugs. Ein System, das jeden freien Slot anzeigt, füllt die Woche mit Terminen in der falschen Reihenfolge - Akutfälle finden dann keinen Platz mehr.
Brauchbar ist eine Aufteilung: bestimmte Zeiten online buchbar, Akutsprechstunde telefonisch, bestimmte Untersuchungen nur nach Rücksprache. Diese Aufteilung ist keine Einschränkung des Angebots, sondern die Bedingung dafür, dass die Online-Buchung überhaupt entlastet statt zusätzliche Umbuchungen zu erzeugen. Diese Grenzen gehören sichtbar an die Buchung, nicht in eine Fußnote.
Wichtig ist außerdem, was beim Buchen an Daten anfällt. Gesundheitsdaten gehören zu den besonderen Kategorien nach der Datenschutz-Grundverordnung, und ein Buchungswerkzeug, das Beschwerden als Freitextfeld abfragt, sammelt genau die. Was dein Anbieter speichert und wo, gehört vor der Einrichtung geklärt - und in die Datenschutzerklärung. Eine Rechtsauskunft ist das nicht; die Frage sollte aber gestellt werden, bevor das Werkzeug läuft.
Was gilt für Werbung im Gesundheitsbereich?
Engere Regeln als in anderen Branchen. Für Heilbehandlungen gibt es eigene Vorschriften, und die Berufsordnungen der Kammern begrenzen, wie über Behandlungen geworben werden darf. Was im Einzelfall zulässig ist, klärt deine Kammer oder ein Fachanwalt - ich gebe dazu keine Auskunft.
Praktisch heißt das: sachliche Information über Leistungen ja, Erfolgsversprechen nein, Vorher-Nachher-Darstellungen bei bestimmten Behandlungen problematisch, und Patientenzitate mit Heilungsaussagen ebenfalls. Wer eine dieser Formen nutzen will, klärt sie einmal ab und weiß danach, was geht.
Der unbequeme Teil: viele Praxisseiten enthalten Formulierungen, die aus dem Marketing anderer Branchen übernommen sind. Sie stehen dort seit Jahren, sind nie geprüft worden und fallen erst auf, wenn jemand sie beanstandet. Ein Satz wie „wir machen dich wieder fit" ist in einer Werkstatt harmlos und in einer Praxis eine Aussage über Behandlungserfolg.
Was muss mit dem Google-Profil zusammenpassen?
Die Öffnungszeiten, die Adresse und der Name - und zwar Zeichen für Zeichen gleich. Widersprechen sich Profil und Seite, gewinnt bei Google meist das Profil, und der Patient steht vor einer geschlossenen Tür.
Ein dritter Punkt betrifft die Leistungen im Profil. Wer sie dort einträgt, taucht bei Suchen nach der einzelnen Leistung auf, nicht nur bei Suchen nach der Fachrichtung. Das ist der Unterschied zwischen „Zahnarzt Düsseldorf" und „Wurzelbehandlung Düsseldorf".
Zwei Angaben werden fast immer vergessen: Sonderöffnungszeiten an Feiertagen und die Urlaubsvertretung. Beides lässt sich im Profil hinterlegen; beides ist der Grund für einen erheblichen Teil der vergeblichen Anrufe. Wer beides einmal für ein Jahr im Voraus einträgt, hat das Thema erledigt. Welche Felder im Profil sonst zählen, steht in den vier Feldern, die im Unternehmensprofil zählen.
Häufige Fragen
Brauche ich als Praxis mit Wartezeiten überhaupt eine gute Website?
Sie steuert nicht die Menge, sondern die Art der Anfragen und die Belastung deines Teams. Eine Seite, die die zehn häufigsten Fragen beantwortet, spart Telefonzeit - unabhängig davon, ob du neue Patienten suchst. Und sie arbeitet auch dann, wenn niemand am Telefon ist: abends, am Wochenende und in der Mittagspause, in der die meisten Patienten suchen.
Soll ich Patientenbewertungen auf die Seite nehmen?
Vorsichtig. Bewertungen von Bewertungsportalen einzubinden ist rechtlich und technisch nicht trivial, und Zitate mit Aussagen über Behandlungserfolge sind im Gesundheitsbereich heikel. Was unproblematisch bleibt: sichtbar machen, dass es ein Profil gibt, und dorthin verlinken. Wer Zitate verwenden will, braucht die schriftliche Zustimmung der Person und muss zusätzlich prüfen, ob die Aussage überhaupt zulässig ist.
Wie viele Seiten braucht eine Praxis?
Meist fünf bis acht: Startseite, Leistungen, Team, Praxis mit Anfahrt, Termine, Kontakt, dazu Impressum und Datenschutz. Mehr entsteht, wenn einzelne Leistungen so häufig gesucht werden, dass sie eine eigene Seite verdienen. Was der Umfang kostet, steht in was kostet eine Website.
Muss meine Praxisseite barrierefrei sein?
Das hängt von Größe und Angebot ab und ist seit Juni 2025 für bestimmte Dienstleistungen im Verbrauchergeschäft Pflicht. Für kleine Betriebe gibt es eine Ausnahme, die aber nicht in jedem Fall greift. Was für dich gilt, steht in Barrierefreiheit: wen die Pflicht trifft. Und wie lange ein Praxisprojekt insgesamt dauert, steht in wie lange dauert eine Website.
Was du als Nächstes tun kannst
Führ eine Woche die Strichliste der Anrufe. Sie ist die brauchbarste Gliederung, die du für deine Startseite bekommen kannst - und sie kostet nichts. Danach schauen wir im Erstgespräch gemeinsam drauf.
Marcel SchygaIch baue Websites vom Design bis zum Livegang. Mehr über mich