Website für Architekten:
das Portfolio ist das Produkt
Wer ein Architekturbüro sucht, will Projekte sehen und einordnen können, ob das eigene Vorhaben dazu passt. Deshalb ist das Portfolio nicht ein Teil der Seite, sondern die Seite. Alles andere - Haltung, Team, Auszeichnungen - stützt die Entscheidung, trifft sie aber nicht.
Zurück zur Übersicht- Das Portfolio ist der Kern; Text über Haltung überzeugt erst danach.
- Jedes Projekt braucht Bauaufgabe, Ort, Jahr und Umfang - sonst ist es nur ein Bild.
- An Projektfotos hängen zwei Rechte: die des Fotografen und die des Bauherrn.
- Nach Bauaufgabe sortieren, nicht nach Datum: Suchende vergleichen Aufgaben, keine Zeitleisten.
- Die Berufsordnungen der Architektenkammern verlangen sachliche Werbung - Superlative sind hier riskanter als in anderen Branchen.
Wie baue ich das Portfolio auf?
Nach Bauaufgabe, nicht nach Jahr. Wer ein Einfamilienhaus plant, sucht Einfamilienhäuser - und blättert nicht durch eine Chronologie, in der zwischen zwei Wohnhäusern eine Kita und ein Bürobau liegen.
Jedes Projekt braucht vier Angaben, ohne die ein Bild nichts aussagt: Bauaufgabe, Ort, Fertigstellungsjahr und Umfang. Der Umfang ist die wichtigste und wird am häufigsten weggelassen - ob du Entwurf bis Ausführung gemacht hast oder nur den Entwurf, entscheidet, wofür dich jemand anfragt.
Dazu gehören zwei bis drei Sätze zur Aufgabe: Was war die Anforderung, was war die Schwierigkeit, was war die Antwort. Kein Fließtext über Materialität - eine Auskunft. Wer mehr wissen will, ruft an.
| Angabe je Projekt | Warum sie gebraucht wird |
|---|---|
| Bauaufgabe | Danach wird gesucht, nicht nach dem Bürostil |
| Ort | Beantwortet die Frage nach der Region |
| Fertigstellungsjahr | Ordnet den Stand der Vorschriften ein |
| Umfang der Leistung | Entscheidet, wofür du angefragt wirst |
| Fotograf und Freigabe | Klärt, ob das Bild überhaupt stehen darf |
Welche Rechte hängen an den Projektbildern?
Zwei, und sie werden regelmäßig verwechselt. Erstens die des Fotografen: Architekturfotos sind Lichtbildwerke, und die Nutzung auf einer Website ist nicht automatisch mitbezahlt, wenn das Honorar für die Aufnahme bezahlt wurde. Was erlaubt ist, steht im Vertrag mit dem Fotografen - und die Nennung des Namens am Bild ist oft Bedingung.
Zweitens die des Bauherrn. Bei privaten Wohnhäusern ist die Veröffentlichung von Innenaufnahmen eine Frage, die vorher geklärt gehört, und zwar schriftlich. Ein Ja am Telefon ist kein Nachweis, wenn drei Jahre später jemand anderes im Haus wohnt.
Für die Praxis heißt das: eine Liste je Projekt, wer die Bilder gemacht hat, welche Nutzung vereinbart ist und ob eine Freigabe vorliegt. Diese Liste entsteht beim Bauabschluss, nicht Jahre später. Wie so eine Bestandsaufnahme in einem Projekt läuft, steht in was ein Website-Projekt von dir braucht. Und weil Architekturfotos groß sind: Ladezeit verbessern.
Wie formuliere ich, ohne in Werbesprache zu rutschen?
Sachlich und überprüfbar. Die Berufsordnungen der Architektenkammern verlangen berufswürdige, sachliche Information über die berufliche Tätigkeit - marktschreierische oder vergleichende Werbung ist dort deutlich engeren Grenzen unterworfen als in anderen Branchen. Was im Einzelfall gilt, steht in der Berufsordnung deiner Kammer; ich gebe dazu keine Rechtsauskunft.
Praktisch ist das kein Nachteil. „Wir bauen das schönste Haus der Region" ist auch werblich schwach, weil es niemand prüfen kann. „Einfamilienhaus, 180 Quadratmeter, Entwurf bis Ausführung, fertiggestellt 2024" ist überprüfbar und beantwortet die Frage, die jemand wirklich hat.
Das gilt auch für Auszeichnungen. Ein Preis mit Jahr und Auslober ist eine Information. „Mehrfach ausgezeichnet" ist eine Behauptung, die eine Nachfrage auslöst statt Vertrauen.
Was suchen Bauherren, wenn sie ein Büro suchen?
Drei Dinge nacheinander. Erstens: Hat das Büro so etwas schon gemacht. Zweitens: Arbeitet es in meiner Region. Drittens: Wie läuft die Zusammenarbeit ab.
Der dritte Punkt fehlt auf den meisten Bürowebsites und ist der, der Anfragen auslöst. Eine kurze Darstellung der Leistungsphasen in normaler Sprache - wer wann was entscheidet, wo der Bauherr mitarbeiten muss - beantwortet die Frage, die vor dem ersten Telefonat am größten ist.
Ein vierter Punkt betrifft Büros, die wachsen wollen: Bewerber lesen die gleiche Seite. Wer Mitarbeiter sucht, sollte an derselben Stelle sichtbar machen, wie im Büro gearbeitet wird - das ist dieselbe Information, nur für ein anderes Publikum.
Ein fünfter Punkt wird oft vergessen und ist der billigste: die Erreichbarkeit. Ein Büro, das nur ein Formular anbietet, verliert die Bauherren, die vor dem Schreiben einmal telefonieren wollen - und das sind bei einer Investition dieser Größe die meisten. Eine Telefonnummer, die ohne Scrollen sichtbar ist, kostet nichts und wirkt sofort.
Häufige Fragen
Wie viele Projekte gehören auf die Seite?
Weniger, als die meisten Büros zeigen. Acht bis zwölf gut aufbereitete Projekte wirken stärker als vierzig mit je einem Bild. Entscheidend ist die Bandbreite der Bauaufgaben, nicht die Menge - wer nur Wohnhäuser plant, braucht keine dreißig Beispiele dafür. Ein schwaches Projekt in der Reihe zieht die starken mit nach unten, weil der Betrachter den Durchschnitt sieht und nicht das stärkste Projekt.
Brauche ich für jedes Projekt eine eigene Seite?
Für die, mit denen du gefunden werden willst, ja. Eine eigene Seite je Projekt kann für die Bauaufgabe samt Ort in der Suche auftauchen; eine Übersichtsseite mit allen Projekten kann das nicht. Die Übersicht bleibt trotzdem, als Einstieg. Der Aufwand dafür ist einmalig; danach arbeitet die Seite jahrelang für dieselbe Bauaufgabe weiter.
Was mache ich, wenn ich keine guten Fotos habe?
Weniger zeigen und dafür richtig. Zwei ordentliche Außenaufnahmen bei gutem Licht tragen ein Projekt; zehn schnelle Handybilder aus der Bauphase schwächen es. Wenn Fotos fehlen, ist das eine eigene Position im Projektplan - nicht etwas, das die Website nebenbei löst. Wie stark das die Dauer verschiebt, steht in wie lange dauert eine Website.
Bringt ein Blog für ein Architekturbüro etwas?
Nur mit einem klaren Zweck. Beiträge zu Fragen, die Bauherren vor der Beauftragung stellen - Ablauf, Kosten, Genehmigungen - werden gesucht und führen zu Anfragen. Beiträge über Baustellenfortschritte werden von Leuten gelesen, die dich schon kennen. Wie man Themen findet, die tatsächlich gesucht werden, steht in Blogthemen für lokale Betriebe.
Was du als Nächstes tun kannst
Zieh eine Liste deiner letzten zehn Projekte und trag für jedes vier Spalten ein: Bauaufgabe, Ort, Jahr, Umfang. Wo eine Spalte leer bleibt, fehlt genau die Angabe, die ein Bauherr braucht. Im Erstgespräch sortieren wir daraus die Reihenfolge.
Marcel SchygaIch baue Websites vom Design bis zum Livegang. Mehr über mich